Von Gipfeln und Tälern
Eine Reise durch die Höhen und Tiefen des Lebens
Das Leben ist voller Abenteuer, Emotionen und überraschender, manchmal auch erschütternder Wendungen. Unsere Reise führt uns durch die wildesten Landschaften, über eindrucksvolle Berggipfel, durch enge Schluchten, dunkle Höhlen, zu innersten Tiefen unseres eigenen Selbst.
Die Momente auf einem Gipfel sind kostbar und erhaben. Dort oben zu stehen, die Aussicht zu geniessen und die freie Weite zu spüren, ist ein Gefühl von Triumph und Erfüllung. Solche Gipfelmomente erleben wir meistens nach einem langen Aufstieg aus dem Tal, der Anstrengung, Überwindung und Durchhaltevermögen erfordert. Wenn die Bedingungen passen, liegt sogar noch ein längerer Gipfelrast drinnen. Doch irgendwann wartet der Rück- oder Weiterweg auf uns. Denn so wertvoll die Gipfelerlebnisse auch sind, sie sind auch vergänglich. Und auch wenn wir ihnen – zurecht – manchmal mehr Bedeutung geben als dem Weg selbst, sind und bleiben die Gipfel eine Station auf unserem Weg.
Ebenso bedeutsam sind die Auf- und Abstiege und die Durchquerungen der Täler – auch wenn sie uns einiges abverlangen. In den Tälern selbst begegnen wir den Herausforderungen des Alltags und Zeiten des Zweifels. Diese Phasen fordern uns heraus, unsere inneren Kämpfe auszutragen und uns weiterzuentwickeln. Sie lehren uns Geduld und Ausdauer. Auf dem Weg lernen wir aus unseren Erfahrungen, aus denen wir wiederum gestärkt hervorgehen. Bis wir vor dem nächsten Berg stehen, dessen Gipfel wir besteigen.
Die Gipfel und Täler sind miteinander verbunden. Jeder Gipfel, den wir erklimmen und jedes Tal, das wir durchqueren, formt uns und macht uns zu dem, was wir sind. In den Höhen erfahren wir die Grösse des Lebens, in den Tiefen seine Intensität. Beide Erlebnisse machen unsere Reise vollständig.
So ist das Leben ein Auf und Ab, eine Dualität von Höhen und Tiefen. Es ist das Unterwegssein selbst, das uns prägt und uns die Bedeutung jeder einzelnen Erfahrung erkennen lässt. So feiern wir die Gipfelmomente und lernen aus den Tälern, auf der Suche nach dem Gleichgewicht, das uns voranbringt und uns wachsen lässt.
wer die Täler kennt,
kann die Gipfel wahrhaftig schätzen
Eine meiner bisher tiefsten Erfahrungen, ist der Verlust meiner Mama in den Bergen. Ich bekam den Anruf meines Vaters, dass unsere Mama auf einer Bergtour tödlich verunglückt ist. Die Berge, die mir bis zu diesem Ereignis so viel gegeben haben, haben mir plötzlich meine tiefsten Wurzeln genommen. Ich kam nicht umher, meine Bedeutung der Berge zu hinterfragen, während ich durch das Tal der Trauer wanderte und den verlorenen Halt in den Bergen suchte.
Zwischen Freude und Schmerz
Ich fragte mich auch, ob ich jemals wieder die gleiche Freude an und in den Bergen finden kann. Der einst vertraute Berg, der mir immer Freude geschenkt hatte, war nun ein Symbol für Verlust und Schmerz. Doch mit der Zeit begann ich zu verstehen, dass der Berg – trotz des schmerzhaften Verlusts – immer noch oder jetzt erst recht ein Teil meiner Geschichte ist. Durch die Trauer hielt ich inne und reflektierte viel über das Leben und auch den Tod. In dieser Stille fand ich neue Bedeutungen und Erinnerungen, die mir helfen, meinen Weg zurück zu den Gipfeln zu finden.
Die Erinnerung an meine Mama, die Liebe zur Natur und die Freude an den gemeinsamen Bergtouren, gaben mir die Kraft, weiterzugehen. Jeder neue Gipfel, den ich seitdem erreiche, trägt einen Teil ihrer Erinnerung in sich. Und in jedem Tal, das ich durchquere, spüre ich ihre leise, beruhigende Gegenwart, die mich lehrt, das Leben, mit all seinen Höhen und auch Tiefen, als ein wertvolles Geschenk zu betrachten.
