Viele erste Male

Über Mut, Wildheit und die Magie des Neuen

Wir lagen draussen, nur im Schlafsack. Ein Kind neben mir, sein erstes Mal unter freiem Himmel. Kein Zelt, kein Dach, nur die Sterne und das Geräusch der Nacht. Am Tag zuvor war er zum ersten Mal von einer Brücke in den Fluss gesprungen. Kurz zögernd, mit etwas Herzklopfen und dann mit einem breiten Lachen und seinen Händen in den Himmel. So viele erste Male in so kurzer Zeit.

Es gibt einen besonderen Zauber in diesen Momenten. Erste Male Momente sind oft klein und gleichzeitig riesig. Sie tragen die ganze Intensität von Neugier, Angst, Mut, Staunen und Freude in sich.

Erste Male sind Schwellenmomente. Wir stehen am Rand von etwas Unbekanntem, spüren die Unsicherheit und genau dort, in dieser Schwelle, liegt die Möglichkeit, über uns hinauszuwachsen. Sie zeigen uns, dass wir viel mehr können, als wir denken.

Manche erste Male sind unscheinbar. Es sind nicht nur die grossen Sprünge, die zählen, sondern auch das erste bewusste Lauschen in eine nächtliche Stille, das erste Mal den Sternen im Schlafsack zuschauen oder das erste Mal ein starkes Gefühl wagen. 

Für mich war es berührend zu sehen, wie dieses Kind Schritt für Schritt in neue Welten eintauchte. Und gleichzeitig konnte auch ich noch einmal miterleben, wie lebendig das Leben wird, wenn wir uns dem ersten Mal stellen. Denn wir Erwachsenen vergessen oft, dass es immer wieder diese Schwellen gibt. Wir nennen sie dann vielleicht nicht mehr „erste Male“, sondern „Herausforderungen“. Doch im Kern ist es dasselbe: Mutig eintreten in etwas, das wir noch nicht kennen.

Erste Male als Türöffner

Erste Male öffnen Räume, die uns vorher verschlossen waren. Danach ist die Welt grösser. Danach können wir nicht mehr zurück in die „enge“ Version von uns selbst. Manchmal verändert ein erstes Mal die Perspektive für immer.

Erste Male und Kindheit

Für Kinder ist fast jeder Tag voller erster Male, das ist ihre Lebenshaltung. Erwachsene verlieren das oft, weil das Neue unsicher macht. Vielleicht können wir von Kindern wieder lernen, dass jedes erste Mal ein Abenteuer ist und kein Risiko, sondern ein Geschenk.

Erste Male und Wildheit

Draussen schlafen, von einer Brücke springen, das sind auch Zurück in die Wildnis Momente. Wildheit heisst hier nicht Chaos, sondern Ursprünglichkeit: der Natur wieder vertrauen, dem eigenen Körper, dem Mut.

Erste Male und Beziehung

Ein Kind durch erste Male begleiten heisst auch: Vertrauen schenken. „Ich bin da, du kannst springen. Und wenn du Angst hast, bin ich trotzdem da.“ Das ist auch eine tiefe Lektion fürs Erwachsensein: wir brauchen Menschen, die an unserer Seite sind, wenn wir Schwellen überschreiten.

Erste Male im Kleinen

Manchmal sind die unscheinbaren ersten Male die Stärksten: das erste Mal einem Menschen etwas ehrlich sagen, das erste Mal Nein sagen, das erste Mal Ja. Diese kleinen Premieren sind oft unsichtbarer, aber genauso lebensverändernd.

Ein philosophischer Gedanke

Jeder Tag kann ein erstes Mal enthalten, wenn wir aufmerksam sind. Vielleicht geht es weniger darum, nach grossen Abenteuern zu suchen, sondern um eine Haltung: die Welt mit Ersten Malen Blicken zu sehen. Dann wird sogar der Alltag ein Abenteuer.

Was ich dir mitgeben möchte

Wenn du das nächste Mal spürst, dass da etwas Neues wartet, sei es ein kleiner Schritt oder ein grosser Sprung, dann nimm dieses Kribbeln ernst. Es ist das Zeichen, dass du lebst.
Vielleicht brauchst du nicht gleich eine Brücke, von der du springst. Vielleicht reicht das erste Mal barfuss in einer Sommernacht durch den Garten gehen. Das erste Mal wieder bewusst in den Sternenhimmel schauen. Oder das erste Mal etwas wagen, das du schon lange spürst, aber nie ausprobiert hast.

Viele erste Male warten auf dich. Und sie sind es, die das Leben wild, aufregend und wahr machen.

Viele erste Mal - Übernachten im Schlafsack
Vollbeladen
Besuch der Ziegen
Sonnenuntergang Hüttchopf
Marillenknödel aus dem Gaskocher
Sprung von Brücke
Sprung von Brücke