Kajak Abenteuer

Mit dem Kajak rund um die Insel Elba

Diese Reise war im Nachhinein eine meiner größten „Get out of your Comfortzone“ Erfahrungen seit langem. Drei Freundinnen von mir, die leidenschaftlich gerne ihre Zeit im Draußen verbringen, haben mich gefragt, ob ich Lust hätte mit nach Elba zu kommen, mit der Idee im Kajak die Insel zu umrunden. Sie haben die Reise schon mal gemeinsam unternommen und fühlten sich mit der Insel vertraut. Sofort hörte sich ihr Plan für mich nach einem neuen Abenteuer an und ich wollte dabei sein. In dieser Woche erlebte ich mein ganz eigenes Abenteuer.  

Die Reise begann mit viel Stau auf der Autobahn. Anstatt einer 8-stündigen Fahrt, hatten wir mit Anhänger und den vier Booten ganze 15 Stunden bis zur Fähre nach Piombino.

In Elba spät abends angekommen, verbrachten wir die Nacht am Strand, wo wir die Tour am nächsten Tag starteten. Während wir müde von der langen Anreise nur noch schlafen wollten, hatten junge Leute ihre eigenen Pläne und feierten bis in die Morgenstunden eine Strandparty. Am Morgen ging es dann zeitig mit einem Einkauf des Proviants für die ersten drei Tage los. Die Nahrungsmittel verteilten wir mit dem restlichen Material in unsere wasserfesten Taschen, die wir in die Luken der Kajaks verstauten.

Etwas später waren wir mit unseren Kajaks im Wasser und paddelten los. Was sich bis zum Ende der Barbarossa Bucht noch ganz verspielt anfühlte, wurde auf offenem Meer nach einer Weile harte Arbeit. Wir hatten Gegenwind und das Vorankommen verlangte uns viel Kraft ab. Ich persönlich machte meine ersten Erfahrungen auf dem Meer. Bisher kannte ich das Kajaken nur vom Fluss und dem See. Obwohl wir uns tendenziell der Küste entlang bewegten, nahmen die Wellen mit der Zeit wegen des Windes zu. Nach ein paar Stunden peilten wir einen Strand für die Mittagspause an. Schon dort bemerkte ich, dass mir etwas flau im Magen war. Bis zu unserem geplanten Schlafspot war es noch eine Weile. Die Wellen und der Wind blieben an diesem Tag treue Begleiter und ich machte meine ersten Erfahrungen, was Kajaken auch bedeuten kann. Meine Bilderbuch-Vorstellung wurde spätestens zu diesem Zeitpunkt von Übelkeit und Erschöpfung ersetzt. Ich hatte genug, wollte wieder an Land. Sehnte mich zurück in meine Komfortzone. Zugleich wusste ich, dass das Abenteuer mit dem heutigen Tag erst begonnen hatte. In mir kreisten „Was ist wenn“ Gedanken und ich wehrte mich dagegen jetzt aufzugeben. Ich war sichtlich erleichtert, als wir den Strand für die heutige Nacht erreichten und unseren Schlafplatz in einer kleinen Bucht in der Nähe von Innamorata einrichteten. Je länger ich am Ufer war, desto wohler fühlte ich mich wieder und desto mehr rückten die Strapazen der letzten Stunden in den Hintergrund. Auf dem Benzinbrenner kochten wir unser erstes gemeinsames Abendessen dieser fünftägigen Reise und ich war froh, Teil von diesem besonderen Moment zu sein. Wie auch noch die nächsten Tage, stießen wir mit Campari Orange auf den ersten Teil unserer Tour an.

Am nächsten Morgen ging der Tag auf dem Wasser weiter, wie der letzte aufgehört hatte. Mit Übelkeit kämpfte ich gegen die Seekrankheit an, die sich durch den hohen Wellengang auch an diesem Tag bemerkbar machte. Eine Zeit lang waren die Wellen gefühlt so groß, dass das Kajak mitsamt der Paddlerin vor mir zwischen zwei Wellen verschwand und wieder auftauchte. Wie wir später von einem Einheimischen an unserem nächsten Schlafspot in der Fonza Bucht erfuhren, sind die Wellen dem Scirocco Wind verschuldet, der die Tage genau an unseren Küstenstreifen bläst. Die gute Nachricht ist, dass wir schon morgen Abend diese Seite der Insel verlassen könnten und damit stieg auch meine Hoffnung, dass ich von meiner Übelkeit bald befreit werde. Die Bucht erhielt bis wir sie wieder verließen unseren eigenen Namen. Wir tauften den Strand Spiaggia Inferno, nachdem uns eine Gaspatrone platzte und wir gröberen Verletzungen davonkamen.

Trotzdem brauchten wir am nächsten Tag in Marina de Campo neben einem Supermarkt für frische Lebensmittel auch eine Apotheke wegen meiner Seekrankheit und für die Verbrennungen, die unsere Freundin davon trug.

Das Aus- und Einsteigen am Strand war je nach Bedingung sehr unterschiedlich und ich war froh, dass mir jemand der Frauen helfen konnte, falls nötig. Zu unseren täglichen Routinen gehörte Schlafplatz auf- und abbauen, unser Material in den wasserdichten Tonnen und Beuteln verschließen, die nächste Tagesetappe planen, Abendessen zubereiten und täglich mehrere Stunden auf dem Meer paddeln.

Die Reisekaugummis erfüllten ihren Zweck und auch der Wellengang ließ nach. An der Punta Le Tombe wasserten wir für die nächste Nacht aus. Neben uns schliefen noch zwei Männer am Strand, die die Insel mit einem Motor-Schlauchboot umrunden wollen. Sie teilten mit uns ein gekühltes Bier aus ihrer Tiefkühltasche und stießen mit uns auf gute Nachbarschaft an. Etwas später staunten sie über unsere Outdoorküche. Den restlichen Polenta mit Peperonata teilten wir dann noch mit ihnen.

Bei ruhiger See paddelten wir am nächsten Tag bis zum Golfo della Biodola und in die Lamaia Bucht. Von der Bucht führt ein Fußgängertunnel zum kleinen Ferienort Biodola. Jedoch war der am Abend und über die Nacht gesperrt. Somit hatten wir für eine neue Flasche Campari einen längeren Fußmarsch auf uns genommen, um dann im Ort festzustellen, dass der einzige Supermarkt der Bucht schon geschlossen hat. Auch ein offenes Restaurant wollte uns keine Flasche verkaufen. So waren wir erst nach 1,5 Stunden wieder an unserem Lager zurück und das ohne Ausbeute. Die kommende Nacht schliefen wir auf weichem Seegras mit Sicht auf die beleuchteten Yachten, die in der Bucht ankerten. Am Sternenhimmel konnten wir dank der Perseiden beim Einschlafen einige Sternschnuppen zählen.

In Porto Ferraio legen wir nochmals mit unseren Kajaks zum Einkaufen an. Wie schon die vorherigen, ist auch dieser öffentliche Strand von vielen Sonnenschirmen und Menschen besiedelt, die in Elba während der Sommermonate nach Erholung suchen. Uns sind diese Strände zu überfüllt zum Bleiben und der Kontrast zu den einsamen Buchten konnte nicht größer sein. Dennoch sind wir dankbar für den Zugang zum Dorf. Während dem Flanieren durch den Hafenort stelle ich fest, dass eine Dusche schon mehrere Tage zurückliegt. Auch meine Haare fühlten sich mittlerweile wie Stroh an. Ich habe das Bedürfnis mich zu duschen – so richtig, mit viel Duschgel und Shampoo. Mir wird klar, dass ich mich seit Tagen außerhalb meiner Komfortzone bewege und irgendwie habe ich mich an die neue Umgebung schon sehr gewöhnt. Jede Nacht nur im Schlafsack auf einer aufblasbaren Matte zu übernachten, dieselben Klamotten zu tragen, tägliches Paddeln als Fortbewegungsmittel, baden im Meer. Sein, so wie wir nun mal sind. Das sind genügend Faktoren sich so richtig frei zu fühlen. In der Zivilisation scheine ich mich gerade, wie ich unterwegs bin, fremd zu fühlen und mich innerlich zum Waschen und „Schön machen“ gedrängt. 

In Porto Ferraio hatten wir die Fähreneinfahrt zu queren, was uns vom Timing her sehr gut gelang. Sobald wir die andere Seite erreichten, kamen mehrere Fähren nacheinander im Hafen an oder legten ab. Die nächsten beiden Tage hatten wir super Windverhältnisse, das Meer war ruhig und das Paddeln hatte schon fast eine meditative Atmosphäre. Wir wurden auf dem Weg mit traumhaften Küstenblicken belohnt und genossen einen wunderschönen Sonnenaufgang in der Bucht „Calla del Telegrafo“. Den Abend zuvor verspeisten wir noch unsere restlichen Lebensmittel. Wir hatten Fenchelsalat, Pasta mit Pesto und Gemüse, Cappuccino und Cantuccini zum Dessert.

Am letzten Paddeltag machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Ausgangsort, der Barbarossa Bucht. Wir legten noch einen Stopp am berühmten schwarzen Strand „Laghetto di Terranera“ zum Schnorcheln ein. Unter Wasser glitzert der Sand im Sonnenlicht. Meeresbewohner haben wir wenige gesichtet. Der Geruch von Schwefel liegt in der Luft, da sich nebenan noch ein Schwefelsee befindet. Wenige Kilometer trennen uns vor der vollständigen Umrundung der Insel. Entspannt machen wir uns auf die letzte Etappe unserer Kajak-Mehrtagestour. Ein letztes Mal mit dem Kajak anlegen, ein letztes Mal aus dem Kajak steigen, ein letztes Mal die Materialien aus den Luken holen. Wir liegen uns in den Armen und bejubeln unsere Ankunft. Wir sind dankbar für die letzten Tage, für die gemeinsam erlebten Stunden und dass wir gesund wieder zurück sind. Jetzt wartet die heiß ersehnte Dusche auf uns und die Rückkehr in etwas zivilere Verhältnisse. Nach mehreren Tagen einfaches Leben brauchen wir wieder ein wenig Zeit uns an die vielen Menschen zu gewöhnen. Zudem galten zu dieser Zeit Corona-Maßnahmen in Italien, so dass die Maskenpflicht auch noch einzuhalten war. Ein heftiger Wiedereinstieg den wir uns mit Aperitif und Pizza erleichterten.