Kajakreise
Ostküste Sardinien






























„I am happy out here. Messy hair, dirty feet & wild water on my skin.
Out here with the wild things; this is where I belong.“ – Brooke Hampton
„Ich erinnere mich an den Moment, als wir am letzten Tag dieser Kajakreise vom Meer in eine Flussmündung einpaddelten. Diese Stille, die sich plötzlich offenbarte, war, je tiefer wir in den Fluss eintauchten, sehr eindrucksvoll und faszinierend.“
Im Vergleich zu Elba, entschieden wir uns dieses Mal für eine Anreise mit dem Zug und eine Kajak- Miete vor Ort bei Ecosport Sardinia. Schon vor der Abreise schauten die Prognosen für die kommenden Tage trüb aus. Sardinien lag unter einem Italientief und Regen in Kombination mit viel Wind hielt unsere Vorfreude auf die kommende Woche begrenzt. Nichtsdestotrotz waren vor allem die drei Frauen zuversichtlich und ermutigten auch mich zum positiven Denken. Wir reisten am Donnerstag 18. Mai (Christi Himmelfahrt) mit dem Zug von Zürich bis nach Genua. Nach einem ausgiebigen Aperitivo Lungo stiegen wir auf die Nachtfähre nach Sardinien. Vor der Überfahrt wurde uns die Gepäckkontrolle zum Verhängnis. Uns nahm der Zoll alle Sackmesser ab, die wir für die Outdoorküche dabei hatten. Trotz unseren besten Überredungskünsten hatte der Mitarbeiter wenig Verständnis für unsere Situation. Im Grunde war der Vorfall etwas ärgerlich, doch er hatte auch einen Hauch von Lächerlichkeit. Denn wer mit VW Bus und Camper anreist, hat bekanntlich noch viel mehr als nur ein Sackmesser dabei.
Dank einer ruhigen Nacht in einer 4er Kabine kamen wir gut erholt am Freitagmorgen in Olbia an. Die Wetterprognosen waren bis Montag weiterhin sehr bescheiden und vor allem der Wind zwang uns mindestens über das Wochenende eine Alternative zum Kajaken zu finden. Somit entschieden wir uns eine Airbnb Unterkunft zu suchen und ein Auto zu mieten, um die Insel zu erkunden.
Wir verbrachten die nächsten drei Nächte in einer Unterkunft in der Nähe von Porto Rotondo. Von dort aus erkundeten wir die nächsten zwei Tage im Zwiebellook Capo D`Orso und Capo Testa. Beides Landschaften mit beeindruckenden Felsformationen und schönen Wanderwegen, ganz besonders wenn die Sonne zum Vorschein kommt.
So gemütlich die letzten Tage auch waren, waren wir zum Kajakfahren nach Sardinien gereist. Deshalb freuten wir uns über die sonnige Vorhersage der nächsten Tage mit erfreulicher Windprognose und starteten am Montagmorgen endlich in unser Abenteuer. Nach einem Grosseinkauf in Olbia und der Rückgabe des Leihwagens, wurden wir von Corrado am Supermarkt abgeholt. Er nahm uns mit zu seinem Standort am Spiaggia di Cala Suaraccia. Nach einer Einweisung und dem Befüllen der Boote starteten wir direkt los. Endlich paddelten wir wieder auf dem Meer. Unsere Freude war riesig. Und die Aussicht zur Isola Tavolara fantastisch.
Wir waren zur Nebensaison in Sardinien, was den Vorteil hatte, dass die Strände noch ziemlich leer waren. Auf dem Weg suchten wir uns vom Wasser aus, immer wieder für uns passende, etwas abgelegenere Schlafspots, an denen wir gut anlegen konnten. Diese Möglichkeit bestand zu dieser Zeit an sehr vielen Orten.
Durch genügend Platz in den Luken der Kajaks waren wir wieder reichlich mit leckerem Essen ausgestattet. Ebenfalls mit an Board war der Campari Orange, der am Abend als Aperitif zur Tradition wurde. Und falls trotz allem der Bedarf aufkam, konnten wir auf der Strecke an belebten Orten anlegen, ein Eis essen oder frische Lebensmittel einkaufen.
Das Kajakreisen in Sardinien war, bis auf den Tag mit etwas stärkerem Südwind, ziemlich erholsam. Wir hatten kein konkretes Ziel, wie vor einem Jahr in Elba mit der Umrundung der Insel, sondern wir kannten lediglich unsere Richtung. Die in den Süden. Da uns schon drei Tage fehlten, war die Erreichung der Cala Gonone bereits ausgeschlossen. Sowieso hatte uns Corrado, nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Zeit davon abgeraten. Je nach Bedingungen paddelten wir zwei bis drei Stunden vor der Mittagspause und zwei bis drei Stunden bis zum Schlafspot. In den fünf Tagen hatten wir die Strecke von der Bucht der Kajakstation in Cala Suaraccia bis zur Spiaggia Marina d`Orosei hingelegt, wo uns Corrado wieder abholte.
An dem Tag mit Gegenwind, hatten wir uns zuerst noch voran gekämpft. Wir wollten noch etwas Strecke machen. Doch dann hatten wir gemerkt, dass uns die Anstrengung mehr erschöpft, als dass wir tatsächlich voran kamen. Nach bewusstem Wahrnehmen der Situation hatten wir uns entschieden, frühzeitig anzulegen und uns in dieser Nähe einen Schlafplatz zu suchen. Dieses Anlegen, das sich im Moment als Aufgeben anfühlte, war ein erforderliches Anpassen der Situation und eine bewusste Entscheidung aus Selbstschutz und Verantwortung fürs eigene Wohlbefinden.
Allgemein bot mir diese Kajakreise die Möglichkeit, zu entschleunigen und innezuhalten. Als sehr aktiver Mensch, der ständig in Bewegung ist, stellt das zur Ruhe kommen eine echte Herausforderung dar. Meine berufliche Situation war zu dieser Zeit sehr anspruchsvoll, was sich auch auf mein Wohlbefinden auswirkte. Es dauerte eine Weile, bis ich die Anspannung loslassen konnte. Doch die langsamen Bewegungen im Kajak und der Stille der Natur, ermöglichten es mir, in mich zu gehen und mich wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Natur bietet uns den idealen Rahmen, um unsere Sinne von den Reizen des modernen Lebens zu beruhigen und die Verbindung zu uns selbst wieder herzustellen. In solchen Momenten können wir unsere Gedanken klären und klare Entscheidungen treffen. Die Stille bekommt plötzlich eine ganz andere Bedeutung und sie wird zu einem Schlüsselelement für unser inneres Wachstum.
