gleitschirmfliegen in Marokko
Einmaliges Abenteuer entlang der Küste von Agadir bis zur Plage Blanche

































































Unsere Reise begann am Flughafen Zürich, wo wir auf Christoph, unseren Guide von Paraworld trafen, über die wir die Reise nach Marokko gebucht hatten. Am Gate lernten wir auch schon die meisten Teilnehmer der Reise kennen. Eine geführte Reise mit einer Gruppe fremder Menschen zu unternehmen, bringt eine besondere Dynamik und ihre eigenen Überraschungen mit sich. Neben mir noch eine weitere Frau in dieser männerdominierten Gruppe zu wissen, hat mich schon mal sehr gefreut und auch erleichtert.
Ich mache mir im Vorhinein immer so meine Gedanken: Was wird mich erwarten? Werden die geplanten Spots und Unterkünfte meinem Geschmack entsprechen? Wie wird das Zusammensein in der Gruppe funktionieren und welche Menschen werden dabei sein? Jeder bringt in einer Gruppe seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Erwartungen und seine eigenen Erfahrungen mit, inklusive mir. Noch dazu waren wir das erste Mal mit Paraworld unterwegs. Diese Rahmenbedingungen boten schon genügend Herausforderungen für inneres Wachstum. Daneben ging`s noch zum Gleitschirmfliegen in ein fremdes Land, an neue Orte. Etwas Sicherheit gab mir auf dieser Reise mein Partner, der mit dabei war. Ich war sehr gespannt und voller Vorfreude.
Am Flughafen in Agadir freuten wir uns, als wir unser Fluggepäck auf dem Förderband erblickten. Dafür fehlte noch ein Teilnehmer aus Deutschland, dessen Anreise sich verzögerte. Nach längerer Wartezeit entschied die Gruppe, schon mal voraus in die erste Unterkunft nach Tiznit zu fahren. Die erste schöne Überraschung wartete bereits am Parkplatz, als ich erfuhr, dass wir in vier schwarzen SUVs mit privaten Fahrern unterwegs sein werden. Lieber so, als uns täglich zu Zwölft in einen Kleinbus zu stopfen.
Die Stadt Tiznit diente uns als Ankunfts- und Endpunkt der einwöchigen Reise. Wegen des Hotels muss niemand nach Tiznit kommen, und es gibt sicherlich einladendere marokkanische Städte, doch der Restaurantbesuch im A l’Ombre du Figuier lohnte sich zwei Mal. Leckere Tajine in einem wundervollen Innenhofambiente.
Gestärkt ging es am nächsten Morgen zum ersten Fluggebiet, Le Nid D’Aigle. Das Gebiet ist bekannt, daher tummeln sich auch viele Fluggruppen vor Ort. Hierher könnte ich mir auch vorstellen, alleine zu kommen. Am Startplatz befinden sich zwei Lokale, von denen eines eine richtig schöne Unterkunft für Fliegertouristen bietet. Das erste Mal in Marokko abzuheben war ein besonderes Gefühl. Obwohl Start- und Landeplatz etwas vom Meer entfernt lagen, hatten wir einen wunderbaren Blick aufs Meer und die Kante liess richtig schöne Flüge im laminaren Wind zu. Ein idealer Spot, um marokkanische Flugluft zu schnuppern und anzukommen.
Anschliessend ging die Fahrt nach Legzira weiter. Die Unterkunft direkt am Strand bot wiederum fantastisches marokkanisches Essen und einen gemütlichen Ort, um als Gruppe am Abend beisammen zu sein, Geschichten und Erfahrungen auszutauschen und zu lachen. Die Gegend bietet mit ihren berühmten rotfarbigen Felsbögen und dem langen Sandstrand eine spektakuläre Kulisse für Flüge. Auch hierher könnte ich mir vorstellen, alleine zu kommen, da sich viele andere Flugtouristen aufhalten. Was an der organisierten Reise fantastisch war, waren die Fahrer, die nach der Landung schon bereitstanden, uns wieder an den Startplatz hochzubringen. Zumindest klappte das meistens sehr gut. Manchmal waren sie auch zu sehr mit sich selbst und den Strapazen des Ramadan beschäftigt, der genau zu dieser Zeit stattfand und sie tagsüber an ihre Grenzen brachte. Dadurch fanden sie schon mal Ablenkung von ihrem Hungergefühl, in dem sie mit den SUVs durchs Gelände oder die Sanddünen fuhren. Christoph war jeweils am Startplatz präsent, gab hilfreiche Tipps und half mir, meine Start- und Flugskills zu erweitern. Auch wenn ich trotz Videoanalyse bis zum Ende der Reise gehadert habe, was ich bei meinem Startverhalten manchmal falsch mache, dass ich mir den Schirm während dem Aufziehen verziehe.
Von Tiznit ging es weiter nach Sidi Ifni zum Einkaufen. Die nächsten zwei bis drei Tage würden wir etwas abgelegener von der Zivilisation verbringen. Sidi Ifni ist ein charmanter und belebter Ort. Auf dem Markt lässt sich allerlei einkaufen und verköstigen.
Pünktlich zum Sonnenuntergang erreichten wir unsere letzte Unterkunft dieser Reise, in der wir zwei Nächte verbrachten. Die Lage der Unterkunft ist inmitten der Natur des Atlantiks einmalig. Le Rayon Vert ist wunderschön einfach, gepflegt und detailverliebt. Ich liebte einfach alles an dieser Unterkunft und das wiederum frisch zubereitete Essen war fantastisch. Schon nur für diese Unterkunft würde ich nochmals nach Marokko zurückkommen. Die Stimmung der untergehenden Sonne trug ihren Teil für einen perfekten Moment bei.
Von hier aus ging es am nächsten Morgen in die Plage Blanche. Die etwas aufwendigere Anreise wurde zwischenzeitlich durch ein nicht passierbares Flussbett und einen Reifenschaden noch aufregender. Doch die Guides waren gut vorbereitet und die Gruppe zuversichtlichen Mutes. Anschliessend war Christoph gefordert, die richtige Einstiegsstelle an der langen Sanddüne zu finden. Er forderte auch unsere Fahrer heraus, durch den Sandbelag zu kommen. Ab und an blieben wir stecken. Doch irgendwann erreichten wir unseren Ausgangspunkt. Die Plage Blanche war ein Höhepunkt der Reise. Dieser Abschnitt erstreckt sich über mehrere Kilometer und ist bekannt für seine weissen Sanddünen und die ruhige, wilde Schönheit. Ein Teilnehmer der Gruppe flog an diesem Tag über 40 km der Sandküste entlang. Ich war währenddessen mit Starkwindstarts beschäftigt, hob auch mal ab und bekam ein Fluggefühl für diese Dünenlandschaft. Doch sein Relief brachte mich zwischenzeitlich an meine fliegerische Grenze. Die absolute Abgeschiedenheit und die majestätische Landschaft des Atlantiks machten diesen Flugtag zu einem einmaligen Erlebnis. Und das Bodentraining machte mich fertig. Für das Abendessen ging es zurück in die Unterkunft. Der Ort war ideal für das Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe. Wir assen zusammen an grossen Tischen und liessen den Abend am Lagerfeuer ausklingen.
Am nächsten Morgen erfuhren wir, was Gleitschirmfliegen in Marokko auch bedeuten kann. Trotz Flugerlaubnis für dieses Gebiet hatten wir nach einem Gespräch mit einem Bewohner im Dorf, den Scheich am Telefon. Der machte uns klar, dass auf seinem Territorium niemand fliegen wird. Dadurch änderten sich unsere Flugpläne für diesen Tag und wir waren nochmals in Legzira in der Luft, wo wir auch zwei weitere Nacht auf dem Weg zurück nach Agadir verbrachten. An diesem Abend flog ich noch mit ein paar von unserer Gruppe in den Sonnenuntergang und wir landeten direkt am Strand vor dem Hotel, wo der Rest schon gemütlich beim Aperitif sass.
Der Tag darauf brachte die schönste und bitterste Überraschung mit sich. Wir flogen an einem abgelegenen Spot zwischen Sidi Ifni und Plage Blanche, nur für uns und an einer wunderschönen atlantischen Bucht. Im laminaren Atlantikwind flogen wir stundenlang hin und her, auf und nieder, landeten und starteten wieder. Das Fliegen in dieser Kulisse, direkt am Meer, mit dem Licht und den Schäfchenwolken Richtung Landesinneren war traumhaft schön. Allein als Gruppe gemeinsam in der Luft zu sein, war ein zusätzlich schöner und sehr verbindender Moment. Leider endete dieser Flugtag für einen Teilnehmer mit einem Schien- und Wadenbeinbruch, nachdem sich sein Fuss beim Bodenhandling blöd verdreht hatte. Auch hier war Christoph besorgt und leistete mit unseren Fahrern rundum Betreuung, sodass auch der letzte Reisetag trotz des Zwischenfalls weiter unter einem positiven Einfluss blieb. Mit einem Flug in Nid D’Aigle, einer marokkanisch-italienischen Pizza am Flugspot und einer privaten Feier des Restaurants A l’Ombre du Figuier beendeten wir als Gruppe – mit verletzten Teilnehmer – diese Reise glücklich und gesättigt.
Die Flugreise nach Marokko war ein einzigartiges Abenteuer zwischen leckerem marokkanischen Essen, wunderschönen Flügen, lockerem Beisammensein und zufriedenen, strahlenden Gesichtern. Die Herausforderungen und Erlebnisse in der Gruppe, die vielfältigen Landschaften Marokkos und die Erfahrung, in einem neuen Land zu fliegen, förderten mein inneres Wachstum und hinterliessen bleibende Erinnerungen. Die Reise lehrte mich auch, dass eine Gruppe, so unterschiedlich die Menschen auch sein mögen, sehr gut miteinander harmoniert, wenn sie für dasselbe unterwegs sind. Ich würde jederzeit wieder auf diese Reise gehen. Dankbar für die Erfahrungen und Erlebnisse auf dieser Reise, mit diesen Menschen und für das Angebot und die Organisation von Paraworld.
