Eine Solo Reise fürs Selbstvertrauen
Gleitschirmfliegen
an der Dune du Pilat
Selbstvertrauen ist eine wertvolle Ressource, die uns in vielen Lebensbereichen unterstützt und stärkt. Äussere Einflüsse wie Kritik, gesellschaftliche Erwartungen und der Vergleich mit anderen können unser Selbstbild negativ beeinflussen. Gleichzeitig zerrt unsere innere Stimme, die uns an unseren Schwächen zweifeln lässt und uns an vergangene Fehler erinnert, an unserem Selbstwertgefühl. Diese beiden Kräfte können erheblich an unserem Selbstvertrauen rütteln. Wir sind somit ständig herausgefordert unser Selbstvertrauen bewusst zu pflegen.
Wie können wir trotz dieser Herausforderungen unser Selbstvertrauen stärken? Für mich bot die Solo-Reise zum Gleitschirmfliegen an die Dune du Pilat in Frankreich eine besonders eindrucksvolle Möglichkeit.
Durch das Erleben von Selbstwirksamkeit, das Meistern neuer Herausforderungen und die Eigenverantwortung über Entscheidungen bot mir diese Solo Reise zahlreiche Gelegenheiten, mein Selbstvertrauen zu stärken und weiter zu festigen. Diese Erfahrungen und Erlebnisse prägen das Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten nachhaltig.
Die erste Überwindung: Das Losstarten von zu Hause
Der Beginn einer Solo-Reise ist oft von gemischten Gefühlen geprägt: Aufregung, Vorfreude und auch ein Hauch von Bedenken. Das Losreis(s)en von gewohnten Umgebungen und Routinen erfordert Mut und Entschlossenheit. Doch genau in diesem Moment des Aufbruchs liegt eine der ersten grossen Herausforderungen und zugleich Chancen für das Selbstvertrauen.
Ich erinnere mich an das Freiheitsgefühl, welches ich empfand als ich mit dem Auto losrollte. Zweifelnde Gedanken rückten in den Hintergrund. Pure Vorfreude und Neugier machten sich breit. Ich spürte, wie gut sich die Entscheidung anfühlte.
Das Gefühl, sich ganz allein auf den Weg zu machen, bringt eine tiefe Form der Autonomie mit sich. Diese Art des Unterwegsseins bedeutet auch, sich selbst zu vertrauen, die eigenen Fähigkeiten einzuschätzen und die Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen. So habe ich mir auf der Strecke gut überlegt, wo ich zwischenübernachten will, damit ich mich im Van sicher fühle. An der Düne wusste ich, dass ich direkt am Camping Panorama übernachten möchte. Da ich meine Entscheidungen oft sehr spontan treffe, habe ich natürlich gehofft, dass sie noch einen Platz für mich frei haben. Dass ich am Ende so einen wunderbaren Platz an der Düne mit freier Sicht aufs Meer und den Sonnenuntergang bekomme, war eine freudige Überraschung.
Neue Horizonte entdecken
Bei meiner Ankunft regnete es und ein leichter Sturm zog über die imposante Düne. Ein Waldbrand zerstörte vor zwei Jahren den Wald hinter der Düne und den Campingplatz. Während der Platz wieder aufgebaut ist, braucht die Natur noch eine Zeit sich davon zu erholen. Trotz des rauen Wetters waren einige Gleitschirmflieger mit ihren Moustache-Schirmen unterwegs. Diese Szenerie beeindruckte mich und erfüllte mich mit Respekt. Doch ich besann mich auf meine Fähigkeiten und freute mich auf die kommenden Tage.
Der nächste Morgen begann dann windstill. Ich entschied mich die Gegend um die Düne mit dem Gravelbike zu erkunden. Am Abend ging’s dann das erste Mal zum Fliegen. Bei idealem Wind startete ich direkt an der Kante der Sandklippe. Ich konnte mich zwei Stunden lang mit wenigen anderen Piloten an das Gelände der Düne gewöhnen bis ich pünktlich zum Sonnenuntergang für mich allein am Strand landete. Ich freute mich über dieses Willkommensgeschenk.
Die nächsten Tage lernte ich zu verstehen, dass der Wind meistens zwischen 14 und 16 Uhr einsetzte. Mal stärker, mal etwas schwächer. So hatte ich am Morgen genügend Zeit für gemütlichen Kaffee und Erledigungen. Am ersten Starkwindtag war ich beim Start in der Düne gefordert und ich wusste, dass ich meine Skills auch für solche Situationen erweitern will. Ich hatte genügend andere Pilotinnen und Piloten von denen ich Herangehensweise abschauen und nach Tipps fragen konnte. Eine wunderbare Überraschung war das zufällige Treffen meines ehemaligen Fluglehrers, der mir meine allerersten Flugfertigkeiten beigebracht hatte und mir an der Düne jetzt zeigte, wie ich im Kobrastil die Düne hochlaufen kann. Ab da machte das Bodenhandling in der Düne mehr Spass als das Fliegen selbst – ausgenommen das Schweben in den Sonnenuntergang.
Die grösste Düne Europas bot mir eine faszinierende Kulisse für mutige Entscheidungen und neue Erfahrungen. Mein Selbstbewusstsein und meine Selbstsicherheit wuchsen von Tag zu Tag. Während sich der erste Flug in der Meute der Rushhour noch nach einen lästigen Bienenschwarm anfühlte, flog ich die darauffolgenden Tage ganz entspannt meine Runden, landete an der Kante Top oder in der Düne, machte Höhe im Kobrastil und hob wieder ab für eine weitere Runde. Ich erlebte mich als lernwillig und ehrgeizig. Ich lernte auch, in herausfordernden Situationen einen klaren Kopf zu behalten, mir selbst zu vertrauen oder eine Pause einzulegen.
Die Kraft der Selbstreflexion
Eine Solo Reise schafft genügend Raum für tiefere Selbstreflexion. Vor oder nach dem Abenteuer nahm ich mir regelmässig Zeit, über meine Erlebnisse und Erkenntnisse zu reflektieren, ich spürte eine tiefe Dankbarkeit, ordnete meine Stärken und Schwächen ein und freute mich über neu gewonnene Perspektiven. Die Fähigkeit, sich selbst in herausfordernden Situationen zu vertrauen, entwickelt sich aus der kontinuierlichen Selbstreflexion heraus. Das bedeutet, sich nicht nur auf äussere Erfolge zu stützen, sondern auch auf innere Resilienz und die Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Die Kombination aus beidem führen zu einem tiefen und stabilen Selbstvertrauen.
Rückkehr und Weiterentwicklung
Die Rückkehr von einer solchen Reise bringt oft eine neue Perspektive auf das Leben und die eigenen Ziele mit sich. Die Erinnerungen an die Herausforderungen und Erfolge, die ich während der Reise erlebt habe, bleiben präsent und unterstützen mein Selbstvertrauen. Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen dienen mir als Kraftquelle, um auch in zukünftigen Herausforderungen meinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und mutige Entscheidungen zu treffen.
Fazit
Eine Solo-Reise ist ein aufregendes, äusseres Abenteuer und eine transformative Erfahrung für das eigene Selbstvertrauen. Durch das Überwinden von Herausforderungen und Ängsten, das starke Erleben von Autonomie und das eigenverantwortliche Entscheiden und Handeln entlang des Weges entwickelt sich ein tieferes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Diese Reise zeigt eindrucksvoll, wie persönliche Herausforderungen und Erfolge das Selbstvertrauen nachhaltig stärken können. Sie ist eine wertvolle Investition in die eigene Entwicklung und das persönliche Wachstum. Das Video mit den Erinnerungen an die Tage an der Düne erinnert mich an meinen neuen persönlichen Leitsatz, den ich von der Reise mitgenommen habe: „Wild und frei mein eigenes Ich leben.“
