„Der erste Höhenflug liegt mittlerweile einige Zeit zurück. Ich erinnere mich, wie alles neu und aufregend war, verbunden mit Anspannung und Nervosität und einer starken inneren Aktivierung. Wie aufgeregte Schmetterlinge im Bauch, die den Anfang eines Neuen Abenteuers ankündigten. WAS FÜR EINE ÜBERWINDUNG. DOCH ICH WAR BEREIT ZU VERTRAUEN. Und als ich Dann das erste Mal mit meinem Schirm abgehoben bin, war der Flug wie eine Reise durch meine eigenen inneren Grenzen. Ich spürte, wie sich eine neue Welt öffnete.
Was ist das etwa für ein Gefühl mit dem Gleitschirm vom Gipfel eines Berges zu fliegen?
Diese Frage haben wir uns im März 2019 am Gipfel des Schiahorns gestellt, als wir am Davoser Himmel die bunten Schirme beobachteten. An diesem Tag hatte ich noch keine Ahnung, welches Abenteuer mich bald erwarten wird. Wenige Wochen später entscheiden wir uns für die Ausbildung und finden uns mit einem Gleitschirm an einem Wiesenhang bei Aufziehübungen wieder. Seitdem bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie viel Zeit, Hingabe und Ausdauer dazwischen liegen, die wir in diese neue Leidenschaft gesteckt haben.
Das Gefühl ist magisch.
Zwischen diesen ersten Aufziehübungen und den ersten richtigen Höhenflügen liegen zahlreiche Lernfelder, unterschiedliche Herausforderungen und eine breite Palette von Gefühlsstimmungen. Dazu kommen die Momente des Scheiterns und des Zweifelns, genauso wie die des Weitermachens, Wachsens und der vielen Grenzverschiebungen. Und trotz der vielen Anstrengungen und Hindernisse hat sich unsere Investition vollkommen gelohnt.
Die Belohnung ist aussergewöhnlich.
Sobald wir auf unsere ersten Höhenflüge abgehoben sind, tauchten wir in eine völlig neue Welt ein. Das Material aus dem unser Traum gemacht ist, eröffnet uns einen völlig neuen Horizont. Und ist dazu noch so leicht, dass wir damit Berge besteigen.
Wir erleben die Welt aus der PerspektTIEFE eines Vogels.
Dieser Sport fordert mich seit meinem ersten „Hüpfer“ am Wiesenhang immer wieder heraus. Er zwingt mich, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, meine Überlegungen zu hinterfragen und die Rahmenbedingungen des Flugsports und der Natur zu verstehen und zu berücksichtigen.
Dieser Sport bringt mich regelmässig an meine Grenzen.
Dafür hat mir das Gleitschirmfliegen seine Möglichkeiten gezeigt, wie weit ich gehen kann und wie tief ich in mich selbst eintauchen kann. Ich habe Ängste überwunden, meine eigenen Grenzen erweitert und meinen inneren Mut neu kennengelernt. Das Fliegen verbindet mich mit meinem Potential und gibt mir zu erkennen, dass die einzigen Grenzen, die existieren, diejenigen sind, die ich mir selbst gebe. Und ich lerne weiter, sie anzuerkennen und zu akzeptieren. Damit ich in meinem eigenen Tempo wachsen kann.
Während dem Fliegen bin ich voll im Hier und Jetzt.
Während dem Fliegen bin ich ganz im Moment vertieft. Die Gedanken, die mich während des Aufstiegs vielleicht noch begleitet haben, sind losgelassen. Was zählt ist der gegenwärtige Augenblick und was für das Fliegen entscheidend ist. In diesen Momenten der absoluten Präsenz spüre ich eine Freiheit und Lebendigkeit in mir, tiefer als je zuvor. Das Gleitschirmfliegen entfacht Träume in mir, von denen ich bis dahin nicht einmal wusste, dass sie existieren. Und das empfinde ich als ein sehr wertvolles Geschenk im Leben.
