Silvretta Gebirge

2 Frauen, 2 Tage, 3x3000M

Ein Wochenende voller Sonnenschein und idealen Verhältnissen verbringen wir am liebsten in den Bergen. Um so schöner, wenn wir genau an solchen Tagen für unsere Freundschaft Zeit haben und noch dazu ein Hüttenschlafplatz für uns reserviert ist. 

Zugegeben, unser Plan klappt im dritten Anlauf. Doch manchmal brauchen solche Projekte einfach ihre Zeit, damit sich ihre Realisierung umso schöner anfühlt. 

Unser Treffpunkt ist Freitagabend an der Talstation der Vermuntbahn. Wir schlafen im VW Bus. Der Samstagmorgen startet mit dem Tunnelbus zur Bielerhöhe abenteuerlich. Gleich dahinter verlassen wir die letzten Menschenansammlungen und steigen ziemlich einsam mit unseren Tourenskiern durch das Bieltal zum Rauhkopf. Das Panorama ist einmalig und reicht in die Schweiz, nach Italien und Österreich; befinden wir uns doch im Dreiländereck. Und an diesem Wochenende macht dieses Eck seinem Namen alle Ehre. Wir geniessen die entspannte, windstille und traumhafte Stimmung am Gipfel, bevor wir uns wieder über die leichte Blockkletterei an den Abstieg machen. Auf der Wiesbadener Hütte quartieren wir uns für die kommende Nacht ein und geniessen die verbleibenden Stunden bis zum Abendessen auf der Sonnenterrasse – mit Blick auf das morgige Ziel. 

Zwei Frauen alleine auf Hochtour hat gerne den Vorteil, dass sie ein Doppelzimmer bekommen. So starten wir am nächsten Morgen erholt und mit passender Sonnencreme im Gesicht in Richtung Piz Buin. Eine Gruppe junger Männer überholen wir noch unterhalb des Eisbruchs, doch dann sind wir zwei Frauen völlig allein in dieser wilden Welt unterwegs. Wir bewegen uns an schimmernden Eistürmen vorbei und über den Ochsentaler Gletscher hin zur Buinlücke. Auch dort sind wir die ersten an diesem  noch frühen Morgen. Wir befestigen unsere Steigeisen, tauschen Skistöcke gegen Pickel und stampfen motiviert Richtung Gipfel. Wow, wow, wow, was finden wir im Aufstieg für optimale Bedingungen vor und so bleibt das Seil an diesem Tag im Rucksack. Wir zwei Frauen stehen an diesem Morgen zuallererst am Gipfel des Piz Buins. Ein stolzes Gefühl und ein feierliches Erlebnis. Während wir auch an diesem Tag die traumhafte Rundumsicht geniessen, kommen weitere Bergsteiger am Gipfel an. Wir erfüllen uns gegenseitig die Fotowünsche und entscheiden uns im Abstieg, dass die noch frühe Mittagszeit einen weiteren Gipfel zulässt. Zurück an der Buinlücke, die mittlerweile gut besucht ist, nehmen wir die Querung zum Silvrettahorn. 

„Wos hobs ihr noch vor?“, entgegnet uns energisch ein absteigender Bergsteiger einer Männergruppe vom Silvrettahorn. „Mir gian iats no do aufi“, erwidern wir. „Do seits guat unterwegs“, meinte er. „Ja schon, wenn heint a schon die Ersten am Piz Buin worsch.“ gaben wir stolz zu erkennen, worauf es um ihn still wurde und wir die steile Schneeflanke hochstapften. 

Am Gipfel des Silvrettahorns lagen wir uns in den Armen. Wieder genossen wir allein den Moment am Gipfel und waren überglücklich und dankbar für diese zwei Tage. An diesem Wochenende stimmte einfach alles. Sogar die Traverse zur Schneeglocke sah noch einladend aus, doch wir zwei wussten, Übermut tut in den Bergen selten gut. An diesem Punkt der Geschichte hatten wir noch den Abstieg und die lange Abfahrt bis zur Bielerhöhe zurückzulegen. Deshalb wussten wir, dass es Zeit war Abschied zu nehmen. Doch die Erinnerungen an diese zwei Tage werden uns noch lange mit einem breiten Lächeln begleiten. Eins ist hier noch dick festzuhalten: Die Strecke bis zur Bielerhöhe zieht sich, erst recht in der Wärme der Frühjahrssonne. „Do ziachsch dir am liabsten is letzte Hemd o!“ Adieu Wochenende, danke liebes Silvretta!

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